Wie das Kaninchen vor der Schlange

Es lag nicht an meinem Telekommunikationsanbieter, dass ich so lange nicht gebloggt habe. Die Umstellung auf IP-Technologie klappte nahezu reibungslos.

Mein Schweigen im Blog hatte ganz andere Gründe.

Müdigkeit

Vom Winterschlaf glitt ich fast nahtlos in die Frühjahrsmüdigkeit hinüber. Morgens wollte ich noch liegenbleiben, kam ganz schlecht in die Gänge … Ach was, ich kam gar nicht in die Gänge. Tagsüber kam ich auch nicht in Fahrt, nur wenn ich mich ärgerte und das pas-sierte leider auch sehr oft. Zuhause machte ich nur das Nötigste und ging früh zu Bett, fiel binnen Minuten in einen komatösen Schlaf.

Mein Sporttermin am Montag, die Dickensportgruppe, war die reinste Folter für mich. Das Schwimmen ließ ich komplett aus. Und das will bei mir etwas heißen!

Magenprobleme und Unverträglichkeiten

Hier muss ich eine wesentliche Information nachliefern: Der folgende Abschnitt begann bereits im Februar.

Im Krankenhaus erhielt ich nach der OP dreimal täglich ein Magenschutzmedikament, zu-nächst über einen Tropf, später als Saft. Nach der Entlassung nahm ich das freiverkäufli-che Omeprazol, 20 µg, einmal am Tag. Das genügte meistens.

Nahm ich es nicht, bekam ich Sodbrennen. Das ist insofern erstaunlich, da der deutlich kleinere Magen kaum Magensäure produziert, die Ursache des Sodbrennens ist, weil sie in die Speiseröhre aufsteigt. Dieses Problem ist eine häufige bekannte Nebenwirkung in der bariatrischen Chirurgie.

Jedes Medikament, dass den Säurefluss hemmt, soll nur temporär eingenommen werden. Das steht auch im Beipackzettel. Ich bin für solche Warnhinweise immer empfänglich (Stichwort Hypochondrie ;-)). Aber ich muss ja ohnehin schon allerhand Medikamente nehmen. Da wäre es ja schön, wenn man eins weglassen könnte. Und dann lief neulich ein Bericht über eine aktuelle Studie zu diesen Medikamenten, die mich schockierte. Nimmt man diese Medikamente über einen längeren Zeitraum regelmäßig ein, droht Demenz!

Na toll! Ich freu mich meines Lebens und weiß irgendwann nicht mehr, dass ich mal ex-trem dick war, mich kaum bewegen konnte. Das wär ja nicht so schlimm. Dummerweise weiß ich auch nicht mehr, dass man erst die Unterwäsche anzieht und danach Hose und Pullover, nicht umgekehrt. Ich erkenne womöglich meine eigene Wohnung nicht mehr,  halte meine beste Freundin für eine Einbrecherin und mache ein Lagerfeuer im Wohn-zimmer, wenn mir kalt ist.

Ich weiß, was Demenz heißt und das letzte Stündlein meiner treuen Helferlein hatte ge-schlagen. Heilerde hieß die Alternative. Allerdings schaufelte ich kein Pulver in mich hi-nein. Ich fühlte mich an meine Kindheit und medizinische Kohle erinnert. Dieses staubige Mundgefühl und der widerliche Geschmack waren sofort wieder da. Nee, brrr!

Ich fand Heilerdekapseln. Statt einer Kapsel Magenschutz am Morgen schluckte ich nun dreimal täglich drei viel größere Kapseln. Und kaum hatte ich sie mit Wasser eingenom-men, ging das Sodbrennen los. Das ging wochenlang so. Nach einigen Stunden beruhigte sich der Magen, aber nach jedem Essen und manchmal auch nach dem Trinken (ich muss ja noch Essen und Trinken voneinander trennen und dreißig Minuten pausieren) war es wieder da. Nachts war es besonders schlimm. Auf dem Bauch zu liegen war noch am ange-nehmsten.

Nach ein paar Wochen hatte sich das Sodbrennen gemäßigt. Die Stunden ohne wurden mehr. Nur selten plagte mich schon morgens der Schmerz hinterm Brustbein und nachts hatte ich auch Ruhe. Filterkaffee mied ich wie der Teufel das Weihwasser, Scharfes auch. Das schmerzte besonders, weil ich die asiatische Küche sehr mag und die muss scharf sein. Wobei die Asiaten uns meist auslachen, wenn sie hier „scharf“ bestellen. Süßigkeiten ver-ursachten die gleichen Beschwerden, aber auf die konnte ich gut verzichten – die selbstge-machten fade schmeckenden Wokgerichte nach chinesischer Art ließen mich hingegen fast weinen (ein bisschen Drama müsst Ihr mir schon erlauben).

Und nun zu den Geschehnissen der letzten zwei Wochen:

Ich litt wieder unter Unverträglichkeiten. Was heißt wieder, so schlimm hatte ich sie noch nie. Von Samstagmittag bis Dienstagmorgen ließ ich mir jede Mahlzeit zweimal durch den Kopf gehen. Nichts Essbares blieb im Magen.

Manchmal begann es schon nach zwei Bissen, meist erst fünf Minuten nach dem Essen:  Übelkeit, dann Kreislaufschwäche wie Schwindel und wacklige Knie. Spätestens jetzt sollte man im Bad sein oder ein Gefäß vor sich haben, in das man speien kann. Beim Erbrechen merkt man dann am Geschmack, dass man nicht viel Magensäure in sich hat.

Ich will das nicht vertiefen, aber ich kapierte jetzt den Satz aus der Ernährungsberatung: „Manche Adipöse, die vorher kein Hungergefühl kannten und ständig aßen, rutschten nach der bariatrischen Operation in die Bulimie ab.“ Also angenehm empfand ich das Er-brechen nicht, aber so schlimm wie früher halt auch nicht.

Das Essen wurde mir verleidet, eine Bulimiegefahr sehe ich bei mir deshalb aber nicht. Ich aß tagsüber nichts mehr. Morgens „frühstückte“ ich wie immer meine Medikamente mit einem großen Glas Wasser. Den Morgenkaffee zuhause ließ ich weg und im Büro trinke ich eh höchstens den aus dem Barista-Automaten in der Kantine. Filterkaffee vertrug ich nicht und Kaffee aus Kapsel- oder Pad-Maschinen ist mir ohnehin suspekt. Ich trank Schwarzen Tee, den vertrug ich am besten, und der schmeckte wenigstens. Meine Kolleginnen  – Müt-ter! – empfahlen Fencheltee. Ich war doch kein Säugling, der unter Blähungen litt und pupsen sollte! Außerdem kann ich an Fenchel nicht ran. Der ist wie Kamillentee – beide kann ich nur äußerlich anwenden.

Ich aß nur noch zuhause, zweimal am Tag. Nach ein paar Tagen war der Spuk der Unver-träglichkeiten vorbei. Aber er verschwand erst allmählich. Das heißt, ich musste nicht nach jedem Essen hektisch ins Bad flitzen.

Sprachlosigkeit

Als Zwölfjährige entdeckte ich den Schriftsteller Jules Verne und seine Bücher, die ich re-gelrecht verschlang. Mich faszinierte, was dieser Mann zusammenfantasiert hatte, was Jahre, Jahrzehnte nach seinem Tod erst Wirklichkeit wurde. Leonardo da Vinci fand ich damals auch so spannend. Bis dessen Pläne realisiert wurden, vergingen Jahrhunderte. Allerdings war er Ingenieur, während Jules Verne nur so sponn.

Wie dem auch sei, ich empfand damals ein sprachlos machendes Staunen vor der Leistung dieser beiden, ob dieser Fantasie und Vorstellungskraft. Seit etwa zwei Jahren bin ich hin-gegen sprachlos und ungläubig staunend darüber, wie sich die Gegenwart entwickelt:

  • die strotzende Dummheit mancher Mitmenschen
    „BÄHGIEHDAH! Ausländorr raus! Mir sinn das Volg!“ – Bevor man mir unterstellt, ich würde die Bewohner der blühenden Landschaften mobben, betone ich, dass ich selbst von dort komme und keinesfalls pauschal den Sachsen, Anhaltinern und Thüringern etwas unterstellen will. Bayern, Pfälzer, Friesen können auch kein Hochdeutsch und auch bekloppt sein …
  • die Selbstsicherheit eines narzisstischen, frauenfeindlichen, homophoben, ausländer-hassenden Präsidentschaftskandidaten im US-Wahlkampf, der doch tatsächlich Präsi-dent der Vereinigten Staaten von Amerika wurde
  • die Ideen, mit denen junge dynamische und studierte Menschen die Wirtschaft lenken und ihre Visionen verwirklichen (lassen) wollen
    • Mindestens ein Vorstandsvorsitzender eines großen deutschen Konzerns ist für ein bedingungsloses Grundeinkommen. Klingt gut? Jaaa, bis zu einem gewissen Punkt. Er will auch die Digitalisierung vorantreiben und die Menschen mitnehmen – aber deutlich weniger von der eigenen Belegschaft. Das erklärt sein Ja zum Grundein-kommen.
    • Unausgegorene Ideen werden auch in meiner Firma am lebenden Objekt getestet. Leidtragende sind unsere internen Kunden und wir, die wir sie betreuen und den Mist fabrizieren sollen. Das kostet Zeit, die im Tagesgeschäft fehlt, Nerven und viel-leicht auch Jahre unseres Lebens. Und es macht Angst, was mit unseren Jobs wird.

Diese Sprachlosigkeit mündet in diese Fragen und Zweifel: „Spinne ich oder die anderen? Aber das sind so viele. Das kann doch unmöglich die Realität sein. Warum machen die alle mit? Das ist ein Albtraum. Warum wache ich nicht auf?“

Radiomeldung: „Ein Geisterfahrer auf der A4 …“ 
Autofahrer: „Einer? Hunderte!“

Und dann glaube ich Atheistin für einen Moment an den lieben Gott und denke, der Alte da oben spinnt ein biss-chen / ganz schön und lacht Tränen, was wir hier unten treiben. Das tröstet ein wenig, hilft aber nicht.

An Schreiben ist dann nicht zu denken. Das Kaninchen hockt ja auch wie gelähmt vor der Schlange und kann nicht weghoppeln.

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Bunter Vollkorn-Nudelsalat

Kalorienarm und trotzdem sehr lecker, passt zu gegrilltem Fisch oder Fleisch

Dieses Rezept habe ich von einer Freundin, die es aus ihrer Reha mitbrachte. Im Originalrezept werden Vollkorn-Hörnchennudeln verwendet, ich hatte nur Vollkorn-Penne im Haus.

nudelsalatZutaten für 4 Portionen:

120 g Vollkorn-Nudeln
1/2 Gurke
2 Tomaten
je 1 gelbe und rote Paprika
Radieschen
Schnittlauch, Kresse, Petersilie
250 g fettarmer Joghurt (1,5 % Fett)
50 g saure Sahne (alternativ 4 TL Miracle Whip So leicht)
1 EL Senf
Salz, Pfeffer, ein paar Spritzer Worcestersauce, Zitronensaft, ein Spritzer Süßstoff

Zubereitung:

Die Nudeln in gesalzenem Wasser bissfest garen, abgießen und mit kaltem Wasser abschrecken.

Gemüse klein schneiden.

Für die Salatsauce den Joghurt, saure Sahne / Miracle Whip So leicht, Senf und Worcestersauce verrühren. Mit Zitronensaft, Salz, Pfeffer und Süßstoff abschmecken, die gehackten Kräuter – außer Kresse – hinzufügen.

Alle Zutaten vorsichtig vermengen und mindestens eine Stunde durchziehen lassen. Vor dem Servieren nochmals abschmecken und mit Kresse bestreuen.

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Modernisierung – halleluja!

Letzten Samstag fand ich zwischen den kostenlosen Wochenzeitungen einen an mich gerichteten Brief meines Telekommunikationsanbieters vor. Genauer, ich fand das An-schreiben ohne Briefumschlag. Ein Glück, dass ich die Blättchen gerne lese, um halbwegs auf dem Laufenden zu sein, was in meinem Kaff passiert! Nicht wenige nehmen die Wo-chenzeitungen aus dem Briefkasten und entsorgen sie sofort in der Papiertonne!

Offenbar wollte der dümmliche Postbote mal wieder die Kommunikation in meiner Nach-barschaft beleben und hat den an mich gerichteten Brief in den Kasten eines Nachbarn ge-worfen. Der wiederum bemerkte wahrscheinlich erst, dass der Brief nicht für ihn bestimmt war, als er den Briefumschlag bereits zerfetzt hatte. Anders kann ich mir das nicht erklä-ren. Übrigens prangt mein Name in großer Schrift an meinem Briefkasten.

Zurück zum Brief meines Telekommunikationsdienstleisters. Mit Datum vom 15. Februar teilte man mir mit, meinen Anschluss wegen Modernisierung unter den bisherigen Bedin-gungen nicht weiter betreiben zu können. Innerhalb von vier Wochen sollte ich mich mel-den. Ich muss modernisieren lassen, sonst war es das mit Telefon und Internet. Mehr als vierzehn Tage waren bereits verstrichen, denn es ist bereits Anfang März.

Modernisierung! Darauf hatte ich schon seit Jahren gewartet – IP-Telefonie. Ehrlich ge-sagt bin ich nicht darauf erpicht, bei Ausfall der Telefonleitung nicht nur nicht mehr ins Internet zu kommen, sondern auch nicht mehr fernsehen zu können, denn all das droht bei einem Ausfall des ach so modernen Netzes. Doch diese Zwangsmodernisierung führt dazu, eine Ecke des Flurs öfter als einmal im Jahr behutsam mit spitzen Fingern zu reini-gen. Es ist die Ecke mit dem Telefontischchen. Darauf steht das kleine Telefon mit seiner Basisstation, daneben liegen Notizblock und Stift, im Fach darunter liegt das Telefonbuch, das ich öfter mal herausnehme, nur, um es abzustauben und jährlich auszutauschen, sowie die  Angebotsblättchen der hiesigen Pizzalieferanten. Bis hierhin sieht der Tisch noch manierlich aus. Das Chaos beginnt darunter, sorgsam von einer langen Tischdecke verbor-gen: der Technik-Krimskrams mit Kabel-Wirrwarr meines Telekommunikationsanbieters. Da haben wir NTBA, DSL-Splitter (ich stellte mir unter Splitter immer etwas Schmales, Spitzes, das wehtun kann, vor – tatsächlich ist es ein quadratisches Kästchen mit Kabeln dran), Eumex 100,  Speedport 200 und schließlich die TAE-Dose in der Wand. Die Kabel zwischen den einzelnen Komponenten, die fast alle auch noch eine Steckdose benötigen – eine Mehrfachsteckdose thront also auch noch auf der untersten Ablage des Tischchens -, reichen fast bis zum Mond und es ist unglaublich, wie viel Staub und Wollmäuse sich zwi-schen den Kabelschlingen sammeln.

Als ich vor Jahren hier einzog und meinen Telefonanschluss beantragte – man beantragte damals wirklich noch -, war das der letzte Schrei der Technik. Und ich schrie, als ich alles verkabeln musste und die Notwendigkeit einer Mehrfachsteckdose erkannte.  Wie über-rascht war ich, nachdem ich die Kabellage mit Strom versorgt hatte, wie hell diese Flur-ecke plötzlich war! An jedem Teilchen leuchtete ein Lämpchen grün oder gelb. Ich kann dort nachts das Telefonbuch lesen ohne die Deckenleuchte anzuschalten! Fast so über-rascht war ich beim ersten Anmelden im Internet – ich war schon drin! Das war ja einfach!

Weil es funktionierte und die Technik schon zwei Tage nach dem Verkabeln hoffnungslos veraltet war, ließ ich es wie es war. Never change a running system!

Einmal im Jahr – kurz vor Weihnachten, wenn bei anderen die jährliche Dusche ansteht – lupfe ich die Tischdecke und mache die Telefonecke sauber. Ein Kabelknäuel nach dem anderen hebe ich vorsichtig hoch, entferne die Wollmäuse und Staubflusen – erst von Hand, danach mit dem Akkusauger. Dann wird gewischt – nebelfeucht mit feuchten Putz-tüchern. – Mehr traue ich mich nicht.

Beim Putzen im letzten Dezember machte es „klick“. Mit Entsetzen nahm ich ein loses Ka-bel wahr, das aus seinem Stecker entfleucht und aufs Laminat gefallen war! Verdammt, wo gehörte das Kabel hin? Ich fühlte mich ein wenig wie in einem Thriller, wenn sie einen Zeitzünder entschärfen und rätseln, ob sie den roten, blauen oder grünen Draht durch-trennen sollen. Ich machte ein Foto mit dem Handy (Status quo) und entschied dann, das Kabel in den am nächsten befindlichen Stecker einzustecken. Ich hatte richtig geraten. Ich kam ins Internet.

Ich muss nicht betonen, dass ich kein WLAN habe. Immerhin habe ich Power-LAN. So kann ich mit kurzem Kabel per Steckdose ins Internet gehen. Das musste reichen – tut’s auch – und Tablets haben sich auch noch nicht durchgesetzt.

Immer wieder habe ich bei meinem Telekommunikationsanbieter geforscht, wie weit denn der Breitbandausbau in meiner Gegend gediehen ist. Drei Häuser weiter ist alles super-modern: Lichtgeschwindigkeit, HDTV mit zwanzigtausend HD-Fernsehsendern und SmartHome! Du näherst dich mit Einkäufen beladen der Haustür und die öffnet sich von selbst – ohne Schlüssel. Wenn es dämmert, schließen sich die Jalousien automatisch und das Licht im Wohnzimmer geht an – wenn du drin bist. Gehst du in die Küche, wird’s im Wohnzimmer dunkel und in der Küche hell. Nimmst du die letzte Milch aus dem Kühl-schrank, wird die automatisch nachbestellt. Dumm nur, wenn du plötzlich laktoseintole-rant bist und vergisst, das dem Lieferanten mitzuteilen. Dann bringt dich die Milch um. – Drei Häuser weiter! Das ist nicht nur schon Stadt, sondern auch gleich ein anderes Bun-desland. Wahrscheinlich hat man deshalb nicht weiter in Richtung unseres Kaffs ausge-baut. Mein Dorf – drei Häuser, fünf Spitzbuben – ist nicht rentabel. Der Ausbau amorti-siert sich nicht. Mein Anbieter vertröstete mich mit Newsletter-Anmeldung und ver-sprach Information, sobald der Ausbau feststünde. Ich glaube, in den letzten fünf Jahren habe ich mich mindestens dreimal dafür angemeldet. Wenn ich meine Grabstätte gekauft habe, muss ich den Newsletter unbedingt ummelden, damit ich den nicht doch noch ver-passe …

Nun muss ich modernisieren. Und so informierte ich mich über die Tarife. Drei stehen zur Auswahl. Als ich mich mit Vorwahl und Rufnummer angemeldet hatte, blieb nur ein Tarif übrig: der kleinste. Die dort angegebene Geschwindigkeit ist natürlich die Maximalangabe, „bis zu …“. Mein Anschluss erreicht davon nur etwas mehr als ein Drittel (Rauchzeichen haben 2 MBit/s weniger).  Aber ich war doch eh nicht scharf drauf, aufs Fernsehen ver-zichten zu müssen, wenn mal der Telekommunikationsanschluss ausfällt, hahaha. Die Schüssel auf dem Dach muss auch in Zukunft reichen.

Am Wochenende habe ich den Tarifwechsel beauftragt, Router und ein neues Telefon aus-gesucht. Das alte hätte ich weiter nutzen können, dann aber einen ISDN-Adapter benötigt, der wieder extra Strom benötigt und das Doppelte des neuen Telefons kostet. Am nächsten Montag soll die Umstellung erfolgen. Mal sehen. Wenn nächste Woche in meinem Blog nichts passiert, wisst Ihr, woran es liegt …

Eben stieß ich versehentlich mit dem Fuß gegen ein Bein des Telefontischchens. Wieder  klackerte es. Der Telefonstecker in der Eumex löste sich in seine Einzelteile auf. Die Kabel stecken noch immer fest, aber die Plastikumhüllung um die bunten Drähte zerfiel in zwei Teile. Geplante Obsoleszenz, empörte ich mich. Na ja, nach fast zwanzig Jahren (ein bibli-sches Alter für Telekommunikationstechnik) darf sich das Teil auflösen, dachte ich dann und entschied: nur gucken, nicht anfassen!

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Gebratener Heilbutt auf Linsengemüse

Ein feines Fischgericht mit Hülsenfrüchten

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Zutaten für 2 Portionen:

1/2 Heilbuttfilet ohne Haut
20 g Schinkenwürfel
125 g Linsen – Sorte nach Wahl, ich nahm Tellerlinsen, die eingeweicht werden müssen
1/2 Liter Gemüsebrühe
1 Glas Weißwein
1 rote Paprikaschote, geputzt, gewürfelt
10 Cocktailtomaten, geviertelt
1 TL Tomatenmark
1 kleine rote Zwiebel, kleingehackt
3 Frühlingszwiebeln, in dünne Ringe geschnitten
3 Spritzer Fischsauce
1 Spritzer Austernsauce
Salz und Pfeffer
Muskatnuss
Rapsöl und etwas Butter
Cayennepfeffer
Mehl

Zubereitung:

Tellerlinsen über Nacht einweichen und Wasser abgießen. Man kann auch andere Linsensorten nehmen, die nicht eingeweicht werden müssen.

Den kleingewürfelten Schinken mit den Zwiebelwürfeln braten und herausnehmen. Die Zwiebel soll nur glasig werden.

Die Linsen in die Pfanne geben und mit dem Wein ablöschen. Das Tomatenmark und die Brühe dazugeben und so lange köcheln lassen, bis die Linsen weich sind (evtl. mit Brühe oder Wasser nachfüllen).

Dann Paprika- und Tomatenstücke hinzugeben und mitkochen lassen, mit Salz und Pfeffer abschmecken.

In der Zwischenzeit das Fischfilet in Portionsstücke teilen, pfeffern und salzen. Fischstücke anschließend in Mehl wälzen, das Mehl abklopfen. Den Fisch in einem Rapsöl-Buttergemisch in einer Pfanne sanft braten.

Das Linsengemüse mit den Gewürzen abschmecken, auf Tellern anrichten und die Fischstücke darauf anrichten.

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Wer ist Ansgar Petkovic?

paketzustellungNeulich fand ich eine Benachrichtigungs-karte der blauen Paketzusteller in meinem Briefkasten. Ansgar Petkovic hat ein Paket für mich entgegengenommen, las ich.

Schockschwerenot! Ich kenne keinen Ansgar Petkovic!

Eine halbe Stunde lang war ich damit be-schäftigt, in den Nachbarhäusern meiner Straße die Namen auf den Briefkästen abzu-lesen. Auf der Karte stand nämlich nur der Name – nichts weiter. Nachdem ich die gan-ze Straße abgelaufen und unverrichteterdin-ge heimgekehrt war, beschwerte ich mich bei den Paketzustellern – die Netzadresse stand auf der Karte – und bei der Firma, die die „Blauen“ als Logistikdienstleister angeheuert hatte. Die Firma – der Einfachheit halber nenne ich sie jetzt „die Boutique“ – mailte eine Kopie der Unterschrift dieses Ansgar Petkovic und teilte mir lapidar mit, nichts für mich tun zu können. Das Paket sei zugestellt, ich solle pünktlich zahlen, um nicht in Verzug zu geraten und weitere Unannehmlichkeiten erdulden zu müssen!

Haben sie sie noch alle?

Ihr kennt diese komischen taschenrechnergroßen Terminals mit dem winzigen Display und noch winzigerem Touchpad, in das man bei Paketempfang seine Unterschrift kritzelt, die man beim Schreiben aber gar nicht sieht? Man schreibt ins Leere. Drei Kreuze könnte man bei einem Ausdruck wahrscheinlich erkennen, aber eine Unterschrift nie im Leben entziffern. Bei „meinem“ blauen Paketzusteller kommt hinzu, dass er das Gerät nicht los-lässt, der Stift an einem so kurzen Kabel hängt, dass ich dem Herrn viel näher komme, als mir lieb ist und mich immer ein ungutes Gefühl beschleicht, ob ich wirklich nur den Erhalt eines Paketes bestätige oder von nun an für einen sechsstelligen Kredit bei einem Kredithai bürge. (Stehen irgendwann mal Zeugen Jehovas in Schlips und Kragen vor mei-ner Tür, denke ich wahrscheinlich an Moskau Inkasso und kriege einen Herzinfarkt, denn dank der Lipidsenker hab ich ja ein erhöhtes Risiko.)

Die Boutique mailte mir also die Unterschrift des Ansgar Petkovic. Wenn ich keinen Ans-gar Petkovic kenne, wie soll ich den anhand der Unterschrift identifizieren? Dies schrieb ich der Boutique zurück, die auf pünktliche Zahlung bestand, sich aber außerstande sah, mir in irgendeiner Weise entgegenzukommen. Darauf erhielt ich bis heute keine Antwort. Kundenservice ist etwas völlig anderes! Die Blauen antworteten auch nicht.

Einen Tag später, meine Wut war nur leicht verraucht und glomm unter einer Asche-schicht weiter, las ich beim Nachhausekommen auf dem Briefkasten über dem meinen den Namen Ansgar Petkovic! Wo gestern noch Nils Meyer wohnte – was der Briefkasten am Vortag auch noch bescheinigte, denn ich hatte sicherheitshalber nachgesehen, bevor ich mich beschwerte -, lebt nun Ansgar Petkovic. Und mein Paket hatte er mir auch noch vor die Wohnungstür gelegt. Bedanken konnte ich mich nicht direkt, mein Läuten an seiner Tür war vergeblich.

Einige Tage später traf ich beim Eintreten ins Haus einen fremden jungen Mann mit kurz-geschorenen Haaren, der den Briefkasten über meinem gerade leerte. Ach, denk ich, der Herr Petkovic. Und so machten wir uns kurz bekannt und ich bedankte mich für die Paket-annahme.

Den neuen Nachbarn kenne ich nun namentlich und von Angesicht zu Angesicht. Den Ser-vice der blauen Paketzusteller meide ich, wenn ich kann, denn es gab da einige Vorfälle mehr, die meine Wut gerade wieder in Wallung bringen … Und die Boutique, deren Kunde ich bis vor Kurzem war, kann mich mal, und zwar kreuzweise.

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Häää?

unbenanntWas den Älteren unter uns ihr „Was?“, bei völliger Fassungslosigkeit auch „Waaas?“, ist der jungen Generation ihr „Hä?“.

Ally, zehnjährige Tochter der besten Freundin der Welt, nutzt kein Wort so oft wie „Hä?“ und „Häää?“. Ich schätze, zwei Drittel ihres täglichen Sprachschat-zes entfallen auf „Hä?“. Sie nutzt es als Univeral-synonym für alle W-Fragewörter: wie bitte, warum, wann. – Ach was, es ist auch ein Synonym, eine Ab-kürzung für einen grammatikalisch vollständigen Satz, der alles aussagen kann – wahrscheinlich auch für einige meiner wortreichen Blog-Einträge.

Notiz für mich: Vielleicht erkläre ich Ally bei Gelegenheit mal WordPress und Bloggen. Ob ihre Einträge dann nur aus einem Wort bestehen, aber Schlagwörter in Hülle und Fülle enthalten?

Anfangs fand ich das allgegenwärtige „Hä?“ sehr befremdlich und unhöflich. Ich korrigier-te Ally permanent. Dann entdeckte ich, dass es anscheinend Jugendsprache ist, der ich be-reits seit mehreren Jahrzehnten entwachsen bin (vor allem in die Breite, hahaha). Es amüsierte mich einfach. Doch damit nicht genug. Noch schlimmer – ich registrierte, dass „Hä?“ Teil der erwachsenen Umgangssprache geworden ist  – das fand ich nicht mehr so amüsant – und – wie konnte das bloß passieren? – ich es selbst sage!

Noch glaubt Ally, dass ich „Hä?“ absichtlich benutze, um sie zu korrigieren. Lange lässt sie sich aber nicht verscheißern. Studiere ich bis dahin eine Rapper-Geste ein und nuschle: „Ey Alter, ich will nur cool sein“, um danach stocksteif zu behaupten, „nee, ich geh nur mit der Zeit“?

Ich habe keine Ahnung, kenne aber schon ihre Antwort: „Häää?“

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Mer losse d’r Dom in Kölle

Für Nicht-Rheinländer: Wir lassen den Dom in Köln

Das ist nicht nur ein Karnevalslied und ein Motto der Kölner. Der Kölner liebt die Hohe Pfarrkirche Sankt Petrus – seinen Dom. Das kann man verstehen – ich als Liebhaber his-torischer Gebäude ohnehin.

Baubeginn des Kölner Doms war 1248. 1880 wurde er vollendet. Fälschlich wird oft von über sechshundert Jahren Bauzeit gesprochen. Das ist Unsinn, jahrhundertelang ruhte der Bau. Im 19. Jahrhundert wurde die Kathedrale vollendet – vorübergehend, denn der Dom ist nie fertig. Es gibt keinen Kölner, der die Kirche ohne Baugerüst kennt. Seit 1996 zählt der Kölner Dom auch zum Weltkulturerbe.

Mehr zum Kölner Dom findet Ihr auf der Homepage Kölner Dom oder bei Wikipedia.

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Etwa zwanzigtausend Menschen pro Tag besuchen den Kölner Dom. Man stelle sich das mal vor: eine Kleinstadt! Das Gebäude muss allerhand aushalten. Wahrscheinlich ist die Besucherflut auch zum Teil der unmittelbaren Nähe zum Hauptbahnhof und den Proble-men der Deutschen Bahn geschuldet. Man gönnt sich vielleicht doch etwas Kultur, wenn der Zug wegen ausgefallener Heizung oder Klimaanlage Verspätung hat und man die War-tezeit überbrücken muss.

Seit heute hat der Fernreisende nun ein Problem. Es gelten strengere Sicherheitsbestim-mungen. Seit 1. März 2017 dürfen die Besucher keine großen Koffer, Reisetaschen und Wanderrucksäcke in den Dom mitnehmen. Lediglich Handgepäck bleibt erlaubt.

Hm, wohin mit den großen Reiseutensilien, wenn die Gepäckfächer im Hauptbahnhof alle belegt sind oder man kein Kleingeld dafür hat? Im Bahnhof stehen lassen …

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Die Karnevalsparty

Possen aus der Online-Redaktion einer deutschen Firma

Voriger Beitrag: Der Knopf ist ab

Weiberfastnacht – in den närrischen Hochburgen beginnt dann der Straßenkarneval, das Highlight von Karneval, Fasching und Fastnacht. Im Rheinland herrscht Ausnahmezu-stand.

In der Firma ist es im Karneval ruhiger als sonst, was die Arbeit angeht – sonst kann es schon recht laut werden. Die Karnevalsjecken haben freigenommen und feiern im privaten Rahmen. Einige Kollegen kommen kostümiert zur Arbeit, um diese um elf Uhr elf nieder-zulegen und an der Karnevalsparty in der Kantine teilzunehmen.

konfetti_luftschlangenJedes Jahr feiert man Karneval. In der när-rischen Stunde geht die Fete los, sie endet gegen vier Uhr morgens. Allerdings geht das Verständnis fürs regionale Brauchtum in der Chefetage nicht soweit, die Teilnahme als bezahlte Arbeitszeit anzusehen. Man muss sich dafür freinehmen. Es wird ohne Anhang gefeiert, was neue Möglichkeiten zur Vernet-zung bietet. Man lernt viele neue Kollegen kennen und die alten von einer völlig neuen Seite. Auch die Chefs erkennt man nicht wie-der, was nicht unbedingt an der Kostümierung liegen muss. Da bilden sich Paarungen für die Dauer der Veranstaltung plus x Stunden, selten länger. Paarungen, die man nicht für möglich gehalten hätte und die manchmal das Wort auch im biologischen Sinn treffen.

Das Karnevalsvergnügen ist recht preiswert: für einen Euro pro Glas kann man Bier trin-ken – bis zum Verlust der Muttersprache. Das Essen, süße und deftige Kleinigkeiten sowie eine kräftige Suppe mit Brot, sorgen für eine Grundlage und werden von der Geschäftslei-tung spendiert. Weniger Spontane ziehen Wasser und andere Erfrischungsgetränke dem Gerstensaft vor. Das ist weitsichtig, denn der lustige Clown, der einem heute so interes-siert zuhört, dem man angeheitert und enthemmt auf die Schulter haut, „Schorsch, hicks, du biss mir sso ssympatschschsch“, und unkontrolliert ins Gesicht rülpst, könnte schließ-lich morgen der humorlose Abteilungsleiter mit dem Gedächtnis eines Elefanten sein.

Zugereiste wie ich und ein paar Einheimische können mit Karneval in der Firma nichts oder nichts mehr anfangen. Sie sind die Spaßbremsen, die in üblicher Kleidung zur Arbeit erscheinen und die Absicht haben, Dienst nach Vorschrift verrichten.

So viel zur Einleitung.

Es war gegen acht Uhr morgens. Ich stand in der Kaffeeküche vorm Spülbecken und rei-nigte Teetasse und -kanne. Biggi Becker-Bayer hatte selbiges vor und wartete darauf, dass ich das Feld räume, während Alexander Brüsk die Kaffeemaschine befüllte.

Der hektische Friedhelm Müller kam herein und sagte etwas außer Atem: „Ich hab gerade ein rosa Kaninchen gesehen.“

„Die einen sehen weiße Mäuse, die anderen rosa Kaninchen. – Du solltest nicht schon morgens Cognac in den Kaffee tun, Friedhelm!“, erwiderte Brüsk lakonisch.

„Was? Ach, Quatsch! Auf dem Parkplatz kam mir ein Kollege im Hasenkostüm entgegen …“

„Jaja …“, Brüsk und ich verdrückten uns in unsere Büros und Biggi eilte uns mit der unge-spülten Teetasse hinterher. Friedhelm ist manchmal wie Loriots Nudel, man kriegt ihn nur schwer wieder los.

Eine Stunde später schrieb die aus Berlin stammende Chefin eine E-Mail an den Abtei-lungsverteiler: „Liebe Kolleginnen und Kolleginnen, in meinem Büro warten leckere Pfannkuchen auf Euch! …“

Selma „Rösjen“ Röschen las die E-Mail laut vor und kommentierte: „Pfannkuchen? Nee, ich hab schon gefrühstückt. Hätte sie nicht Berliner mitbringen können?“

Ich seufzte und erklärte, dass das Schmalzgebäck in weiten Teilen Deutschlands und in Berlin eben Pfannkuchen und nicht Berliner heißt. Unsere Chefin ist ja auch erst seit drei Jahren bei uns und bringt erst zum dritten Mal die Teilchen mit.

„Ach so.“

Kurz darauf verteilte Aljoscha Baum Berliner.

„Eine Spende des Betriebsrats“, verkündete er und informierte, dass es der Betriebsrätin Monika Emsig auch in diesem Jahr wieder gelungen war, dem Vorstandsvorsitzenden Dr. Hein Blödner die Krawatte unter Protest abzuschneiden.

„Hat ihr immer noch niemand gesagt, dass Dr. Blödners Gattin Weiberfastnacht nutzt, um die hässlichste Krawatte ihres Mannes zu entsorgen?“

„Anscheinend nicht“, meinte Selma „Rösjen“ Röschen und biss in das Schmalzgebäck. Hinten spritzte eine ockerfarbene Creme heraus und Rösjen verzog das Gesicht.

„Sauerei“, rief sie, „das ist ja Senf!“

Tätää, tätää, tätäää!

Es wurde immer später und gegen elf lichteten sich die Reihen in der Abteilung. Die Büro-tür flog plötzlich auf und Frau Chefin kam in Begleitung in unser Büro. Sie war gelb und braun geschminkt, trug ein gelb-schwarz gestreiftes Kleid mit ausgepolstertem Hintern und dickem Bauch, eine gelbe Kurzhaarperücke mit schwarzen wippenden Fühlern und ein paar durchsichtige Flügel auf dem Rücken. An ihrer Seite stand ein rosafarbenes Rie-senkaninchen – der zwei Meter große unmittelbare Chef der Chefin und damit auch unser Vorgesetzter.

Rösjen war sprachlos und ich dachte fieberhaft „Hundebabys, Hundebabys, Hundebabys“.

„Kommen Sie nicht mit zur Party?“ Udo Weißich war überrascht, uns unkostümiert zu se-hen und warf mehrere Handvoll Konfetti in die Luft. Unsere Putzfee Fatima würde sich morgen freuen.

„Jemand muss ja die Stellung halten. Viel Spaß!“, brummte ich und vertiefte mich wieder in meine Arbeit.

„Den werden wir haben“, rief er und verließ mit Frau Chefin das Büro.

„Boah, hoffentlich sind die Jecken jetzt alle weg“, stöhnte Rösjen.

Nicht ganz. Im Nachbarbüro drehte jemand das Radio voll auf. Der Regionalsender spielte den ganzen Tag Karnevalsmusik: „Denn wenn et Trömmelche jeht, dann stonn mer all parat un mer trecke durch die Stadt un jeder hätt jesaat Kölle Alaaf, Alaaf – Kölle Alaaf …“

Ich stöhnte: „Das kann man nur mit Alkohol ertragen. Selma, ich mach heute früher Schluss!“ Beinahe hätte ich Feierabend gesagt. Nichts lag mir ferner.

Tätää, tätää, tätäää!

Keine Stunde später, ich wollte nur noch diesen einen Auftrag abschließen und dann den geordneten Rückzug antreten, wurde es erneut laut: „Die Karawane zieht weiter, der Sultan hätt Doosch …“

polonaise

Es rächte sich, dass wir ins Erdgeschoss gezogen waren. Bis zur Kantine waren es nur we-nige Schritte und dort feierten die Jecken. Als die Polonaise Platz brauchte, zog sie in die benachbarten Büros. Unseres war das erste.

Die Tür flog auf, das Lied erschallte noch lauter und eine Schlange ausgelassener Men-schen in bunten Kostümen drängte sich in unser Drei-Mann-Büro, das nur eine Tür hat. Ich eilte zur Fensterfront und öffnete das der Tür gegenüber gelegene Fenster, das als ein-ziges im Raum frei zugänglich war. Die Betriebsrätin mit der barocken Rubensfigur Moni-ka Emsig war Kopf der Karawane. Sie raffte die Unterröcke ihres barocken Kostüms und schickte sich an, das Fensterbrett zu erklimmen. Ihre Hintermänner konnten sie gerade noch stoppen.

„Wiesso, iss doch Erdgeschossss“, protestierte sie mit hörbaren Artikulationsschwierigkei-ten und blies eine Luftschlange in Selmas Richtung.

Udo Weißich, das rosa Riesenkaninchen, war an siebter Stelle. Er stoppte die Karawane und drehte sie um.

„Kehrt marsch, hier jibbet nix ze drinke. Hier wird jearbeitet, ernsthaft.“

„Jommer in en andere Kaschämm! Schämm!“, die Karawane zog weiter, ließ aber die biergeschwängerte Atemluft da.

Tätää, tätää, tätää!

Mein Auftrag, den ich nur noch schnell abschließen wollte, hatte es in sich. Kaum hatte ich ihn publikationsbereit, meldete sich der Auftraggeber. Es täte ihm leid, aber wir müssten alles noch einmal überarbeiten. Das wiederholte sich zwei Stunden später.

Statt dreizehn, vierzehn Uhr, verließ ich erst gegen achtzehn Uhr das Büro. Es war schon dunkel. Auf dem Firmenparkplatz wippten rhythmisch zwei etwas abseits abgestellte Wa-gen. – Es war wie jedes Jahr.

Am nächsten Morgen hatte ich ein Déjàvu. Ich spülte in der Kaffeeküche Teetasse und Kanne. Biggi Becker-Bayer wartete und Alexander Brüsk kochte Kaffee. Die Tür ging auf und Friedhelm Müller kam herein.

„Ihr glaubt nicht, was ich auf dem Klo gesehen habe“, lachte er.

„Will ich gar nicht wissen, ich stand schon mit dir am Urinal“, murmelte Brüsk und ver-schwand.

„Was? Quatsch! Der Faulhaber, hahaha … Ich komm rein, da steht die Tür zu den Kabinen offen. In einer Kabine hockt der Lutz Faulhaber auf’m Klo und erschreckt sich, als ich reinkomme, hahaha …“

„Kein Wunder! Selma kriegt auch jedes Mal fast ’nen Herzinfarkt, wenn du so hektisch ins Zimmer hereinplatzt“, rief ich.

„Was? Quatsch! Also Lutz erschreckt sich, hahaha, und lallt: ‚Wass machss ssu in mei’m Wohnssimmer?‘ Hahaha, der hat wirklich auf dem Klo gepennt!“

Tätää, tätää, tätäää!

Wer mit wem wann die Karnevalsfeier verließ und wer mit wem die beiden Fahrzeuge auf dem Parkplatz auf und ab bewegte, ist nicht überliefert. Noch nicht.

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Alles in Butter

Vor einiger Zeit wurde ich in Christians Blog „Küchenereignisse“ auf diesen schon etwas älteren Artikel der Neuen Zürcher Zeitung aufmerksam: „Gute Fette: Speck und Spiegel-eier sind gesund“.

Ich empfehle die Lektüre des Artikels und zitiere die ersten zwei Sätze, um einen Eindruck zu vermitteln, worum es geht:

„Großmütter haben es schon immer gewusst: Butter, Eier, Käse oder Fleisch machen satt und schlank. Der Verzicht auf tierische Fette schadet der Gesundheit.“

Als Laie kann ich den Wahrheitsgehalt dieser im Artikel erwähnten Studie nicht beurtei-len. Ich kann bestenfalls glauben. Das fällt mir sehr schwer, obgleich ich den bisherigen Studien, die ungesättigte, also pflanzliche Fette beschwören und Cholesterin verteufeln, auch nicht (mehr) traue. Trotz gesünderer Ernährung und mehr Bewegung war mein Cho-lesterinspiegel seit Jahren gleichbleibend immer (zu) hoch. Mein verstorbener Hausarzt winkte stets ab, wenn ich beim Studium der Blutwerte besorgt dreinschaute: „Machen Sie sich keine Sorgen.“

Seine Vertretung hingegen verordnete mir Lipidsenker, als im Dezember der Cholesterin-wert nach der OP und einer Abnahme von über dreißig Kilo noch höher war. Ich war „be-geistert“ und sah kurz darauf die Reportage „Die Cholesterin-Lüge“. Die zusätzliche Tab-lette schlucke ich nun mit noch mehr Unbehagen, weil die in der Sendung erwähnten Stu-dien zu einem höheren Herzinfarktrisiko kamen, wenn Lipidsenker eingenommen wur-den.

Meine Ernährungsberaterin sprach ich neulich auf den nochmals erhöhten Cholesterin-wert an. Sie meinte, dass die hohe Abnahme und die Umstellung nach der Schlauchma-gen-OP kurzzeitig zu höheren Cholesterinwerten führen könne. Bei der nächsten Routine-untersuchung werde ich die Ärzte in der Klinik darauf ansprechen und das Medikament hoffentlich wieder absetzen können.

Butter – geliebt und gemieden

Meine Mutter wurde 1948 geboren und kannte in ihrer Kindheit noch Lebensmittelmar-ken. Ihr Vater war Bergmann und erhielt Lebensmittelmarken für Butter. Seine Frau und sein Kind mussten mit Marken für Margarine vorlieb nehmen. Mein Opa verzichtete zu-gunsten meiner Mutter auf die Butter und aß Margarine.

Meine Mutter liebt Butter. Bis ich zuhause auszog, schmierte meine Mutter jeden Morgen für die ganze Familie die Pausenbrote. Es gab immer Butter. Pro Tag brauchten wir – Va-ter, Mutter, Sohn und Tochter – etwa ein Stück Butter, also zweihundertfünfzig Gramm! Das beinhaltete das kleine Frühstück zuhause (etwa eine halbe Scheibe Brot pro Person mit Butter und süßem Aufstrich), die Pausenbrote (etwa zwei Scheiben Brot mit Butter und Belag als Klappstulle für die Frauen, die doppelte Menge für die Männer) und das kal-te Abendessen, das für die Frauen aus ein bis zwei Scheiben Brot mit Butter und Belag und für die Männer aus etwa drei Scheiben Brot mit Butter und Belag bestand (dazu saure oder grüne Gurken, Tomaten, Radieschen – je nach Saison und Verfügbarkeit [ich wuchs in der DDR auf, Frisches war rar – erst recht in der Provinz]). In der Pubertät aß mein Bruder auch mal mehr. Mein Vater, mein Bruder und ich verzichteten auf Butter, wenn es einen gehaltvolleren Salat gab, zum Beispiel Wurst- oder Eiersalat, oder Mett, Würstchen. Bei Schinken, Salami oder Blutwurst strichen wir – außer Mutter – auch Senf statt Butter aufs Brot.

Wenn es mit meiner Mutter durchging, strich sie die Butter auch mal fingerdick aufs Brot. Für mich war das oft eine böse Überraschung, wenn ich das Pausenbrot auspackte. Der Brotaufstrich war für mich immer der „Kleister“, der den Belag mit dem Brot zusammen-hielt. Nicht mehr und nicht weniger. Fingerdicke Butter war … bäh!

Den Geschmack der DDR-Margarine mochte ich überhaupt nicht. Und die sogenannte Rahmbutter, die in Bechern verkauft wurde, enthielt so viel Wasser, dass es schon mal ins Auge spritzte, wenn man die Bemme eilig bestrich. Ich meine mich zu erinnern, dass Rahmbutter sich nicht streichen ließ, wenn sie direkt aus dem Kühlschrank kam. Die But-ter musste man auch einige Zeit bei Zimmertemperatur stehen lassen oder in Scheiben aufs Brot legen. Für Pausenbrote war das natürlich schlecht, weil alles lose war.

Zum Kochen, Backen und Braten verwendete meiner Mutter immer Margarine. Da kam die Nachkriegszeit zum Vorschein, denn so viel Butter bekam mein Opa auch nicht zuge-teilt.

Als ich selbstständig wurde, verwendete ich rasch Margarine statt Butter. Je nachdem, wo ich einkaufte, war die Butterqualität verschieden. Mal ließ sie sich streichen und mal nicht. Ich war das leid. Außerdem war Butter ja so ungesund – voller gesättigter Fettsäuren, die meine Gefäße verstopften. Und inzwischen gab es Margarine, die fast wie Butter schmeck-te. Jahrzehntelang benutzte ich immer dieselbe Marke und wenn ich auf Reisen im Hotel eine andere Marke bekam, verzichtete ich nach einer Geschmacksprobe oft auf den Brot-aufstrich.

Meine Mutter verzichtete fast nie auf Butter. Sie ließ sie für kurze Zeit schweren Herzens weg, als sie Schmerzen in den Zehen hatte. Die schwollen so an, dass sie in keinen Schuh passte und kaum gehen konnte. Meine Mutter befürchtete Gicht und therapierte sich selbst mit Ibuprofen. Als die Beschwerden nach ein paar Tagen vollständig verflogen wa-ren, aß sie wieder ihre geliebte Butter. Die Beschwerden traten nicht wieder auf.

butter

Das Bild zeigt 250 g Butter. „Mit einem Stich Butter verfeinern“ heißt bei meiner Mutter: Messer in ein halbes Pfund Butter stecken, das Ganze hochheben und im Essen verrühren

Seit einigen Jahren kocht sie auch mit Butter! Und ich kann ein Geheimnis lüften: Dass die EU keinen Butterberg mehr hat, liegt an meiner Mutter! Ich erinnere mich an einen Besuch bei ihr vor einigen Jahren. Ich war etwa fünf Monate bei WeightWatchers und hat-te knapp zwanzig Kilo abgenommen. Das hatte ich ihr auch erzählt. Es gab Hühnerfrikas-see mit Reis. Mit Butterreis – oder Reis in Butter? Der Reis war buttergelb! In den gegarten Inhalt eines Kochbeutels hatte meine Mutter ein halbes Stück Butter gerührt. Ich hatte damals die wenigen weißen Reiskörnchen für mich herausgefischt, die nicht mit Butter umhüllt waren, was meine Mutter pikiert zur Kenntnis nahm: „Du brauchst Fett, auch um abzunehmen!“

Hat meine Mutter etwa Recht behalten? Von der Studie im oben erwähnten Artikel werde ich meiner Mutter lieber nichts erzählen. Ich will sie bald besuchen und dann gibt es wo-möglich nicht mehr Butter mit Brot. Ich schreibe absichtlich in dieser Reihenfolge, so war die bisherige Gewichtung bei meiner Mutter – viel Fett, weniger Brot. Das wär mir egal, schmiere ich mir meine Brote doch inzwischen selbst. Doch vielleicht belegt sie gleich ein ganzes Stück Butter mit Salami – ohne Brot, weil es keins mehr gibt (Kohlenhydrate sind schlecht und erst recht nach achtzehn Uhr)!

Und nun, Butter oder Margarine?

Ich bin verunsichert. Seit Jahren verwende ich Öl zum Kochen und Braten. Wenn es ein Schnitzel Wiener Art (also Schwein) oder ein echtes Wiener Schnitzel (Kalb) gibt, brate ich es mit Butterschmalz.

Die letzte Margarine (Brotaufstrich) kaufte ich im Dezember – kurz vor der Blutabnahme mit dem noch höheren Cholesterinwert. Jetzt habe ich sie gerade aufgebraucht. Ich esse ja nur noch etwa zwei-, dreimal pro Woche Brot oder Brötchen. Nun werde ich Butter ver-wenden, noch öfter aber Senf, Quark oder gar keinen Aufstrich. Das bisschen Butter, selbst wenn ich das Kartoffelpüree damit verfeinere, wird mich nicht umbringen. Das erledigen die Lipidsenker – oder hab ich etwa doch kein erhöhtes Herzinfarktrisiko durch die Pillen? Auf jeden Fall ist das bisschen Streichfett für mich kein Grund mehr, künstlich gehärtetes pflanzliches Fett zu essen. Das war mir schon klar, bevor ich „Die Cholesterin-Lüge“ sah. Die Margarine wanderte nämlich aus alter Gewohnheit in den Einkaufswagen.

Der mündige Verbraucher und der mündige Patient

Das Internet hat es uns erleichtert an Informationen zu gelangen. Allerdings haben wir jetzt das Dilemma der Bewertung: wahr oder unwahr, verdreht, gefälscht, falsch interpre-tiert? Ich erinnere an das Märchen vom Spinat, der soo viel Eisen enthält. Dabei hat man seinerzeit ein Komma falsch gesetzt und der Eine vom Anderen abgeschrieben, die Mär so verbreitet. Es fiel erst nach Jahrzehnten auf, als man eine neue Studie durchführte und den Irrtum bemerkte.

Wem vertraut man als Verbraucher und als Patient? Blicken Ärzte überhaupt noch selbst durch und können sie Studien wirklich bewerten? Fachärzte können dies bestimmt, bei den Allgemeinmedizinern, die quasi erste Anlaufstelle für alles Mögliche sind, bin ich mir nicht sicher, inwieweit sie sich immer in allen Bereichen auf den aktuellen Stand bringen können.

Und dann ist da noch die Pharmaindustrie, die Geld verdienen will. Viele medizinische Fortbildungen für Ärzte werden von Pharmakonzernen gesponsert, wenn nicht gar gleich selbst von ihnen durchgeführt. Was da wohl erzählt wird?

Mal ehrlich, als Lieschen Müller und Otto Normalverbraucher hat man es einfacher, wenn man glaubt, was einem der Doc erzählt und eben nicht googelt und jede medizinische Re-portage in den Medien verfolgt. Diese Naivität ist mir abhanden gekommen. Leider oder Gott sei Dank?

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Schoko-Bananenfrühstück

Das fix gemachte Frühstück für Schokoladenliebhaber

001Zutaten für 2 Portionen:

45 g Haferflocken
2 EL Kakao
1 Banane in Stücken
300 ml Milch, evtl. mehr
Honig
zur Garnierung:
je Portion 1 Scheibchen Banane
gemahlener Zimt

Zubereitung:

Alle Zutaten in den Mixer geben und ca. 1 Minute gut mixen. Ist die Masse zu dickflüssig, noch etwas Milch zugeben und kurz durchmixen. Inhalt auf zwei Gläser verteilen, garnie-ren und sofort servieren.

Man kann das auch abends vorbereiten und über Nacht in den Kühlschrank stellen. Aller-dings wird es dann zähflüssig, ein Brei. Das Schoko-Bananenfrühstück kann so gelöffelt werden oder man verdünnt mit etwas Milch und mixt es erneut auf.

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